Kurzbeschreibung:
Vierzig Jahre Mitarbeit und Verantwortung im Management globaler Konzerne
in Europa, Afrika, Amerika und Asien und internationale Lehrtätigkeit in
den Bereichen Humanressourcen-Management, Organizational Behavior und
Wirtschafts-, Unternehmens- und Arbeitsethik, sowie in den vergangenen acht
Jahren Mitarbeit in der Kirche als Diakon der Diözese Eisenstadt sind Anreiz und
Anregung für mich, das Thema Führung und Leistung kirchlicher Mitarbeiter
im Spannungsfeld zwischen Professionalität und Gnade aufzugreifen.
Das Spannungsszenario zwischen Leitung und Leistung, in dem Mitarbeiter
der Kirche sowohl in Bereichen der Administration, der Caritas und Diakonie
und der allgemeinen Dienstleistung als auch in der Pastoral aller hierarchischen
Ebenen arbeiten, wurzelt in der dualen Wesenseinheit der Kirche Jesu Christi, die
in Lumen Gentium, der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanums, von den
Konzilsvätern als „sichtbare Versammlung und die geistliche Gemeinschaft“,
also als „irdische Kirche“ und als „mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche“
beschrieben und eingefordert wird. Sie „bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit,
die aus menschlichem und göttlichem Element zusammenwächst“. Ähnlich
den Wirtschaftsunternehmen wird in der Kirche als sichtbare Communio der
Menschen der dringende Ruf nach wirtschaftlichen und führungstechnischen
Maßstäben immer lauter, während die von Jesus selbst konstituierte geistliche
Gemeinschaft auf der frei geschenkten Gnade Gottes baut.
Kirche und kirchliche Institutionen brauchen beide, ihr Fundament
begründende Elemente: professionelle menschliche Kompetenzen und göttliche
Gnade. Kirchliche Leadership, die nicht auf den Prinzipien menschlichen
Zusammenarbeitens und -lebens aufbaut, wird den Herausforderungen der
Gesellschaft auf lange Sicht nicht standhalten können. Genauso könnte eine
Negation der göttlichen Gnade in der Arbeit in und für und mit der Kirche
zur Aushöhlung ihrer göttlichen Sendung führen. Das Zusammenspiel von
professionellen Kompetenzen und Leistungsorientierung der Führungskräfte
und ihrer Mitarbeiter, die nicht voneinander zu trennen sind, bilden die
Grundlage für eine „kirchlichen Kultur“ für morgen.
Persönliche Erfahrung und bisweilen mühsame Erarbeitung einer Zusammenschau
der wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Szenarien
mit der Welt des Glaubens hinterfragen in diesem Buch die Kongruenz der
beiden, in der Betriebswirtschaft und in den Management-Wissenschaften
verwurzelten Begriffe von Leitung und Leistung mit der kirchlichen, und
hier vor allem mit der pastoralen Wirklichkeit. Es gilt, diese persönlichen
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Erfahrungen zu artikulieren, zu systematisieren und in den Kontext der Weihe-
Amtstheologie einzuordnen. Leitungsqualifikationen und Führungspraktiken
sind grenzüberschreitend zwischen profit- und sozial-profit-orientierten Organisationen
und Institutionen, während sich zwischen dem Leistungsbegriff der
kommerziellen Welt und kirchlichen Arbeitsbereichen bisweilen ein tieferer
Graben auftut. Nur zu freizügig überlassen manche Mitarbeiter der Kirche den
Erfolg ihrer Arbeit der göttlichen Vorsehung, ohne selbst engagiert zuzugreifen.
Worte des Ignatius von Loyola bringen die These auf den Punkt: „Dies sei die
erste Regel für das, was zu tun ist: Vertraue so auf Gott, als hinge der gesamte
Erfolg der Dinge von dir, nichts von Gott ab; wende ihnen jedoch alle Mühe so
zu, als würdest du nichts, Gott allein alles tun.“1
Dem eigentlichen Text sind geraffte Reflexionen angefügt, die einen
Blick auf die sichtbaren Veränderungen unserer Kirche seit den späten
Nachmittagsstunden des 13. März 2013 angefügt, als das Kardinalskollegium
Kardinal Jorge Mario Bergoglio in der Sixitinischen Kapelle in Rom zum
Bischof dieser Stadt und somit zum Nachfolger des heiligen Petrus erwählten.
Mein besonderer Dank gilt hier vor allem Herrn Professor Dr. Johann Pock,
Ordinarius für Praktische Theologie an der Katholisch-theologischen Fakultät
der Universität Wien, für seine Betreuung, Korrektur und Anregung, die zu
dieser Veröffentlichung wesentlich beigetragen haben. Die Bereitschaft von
P. Dr. Cyril Desbuslais SJ aus Pune in Indien, dem Buch ein persönliches
Vorwort voranzustellen, hat mir eine besondere Freude bereitet, für die ich ihm
neben seinen vielen Inspirationen in ehrliches Danke sagen möchte.