Thüringer Sagenbuch - Band 1 (Gesamtausgabe von 1858 in zwei Bänden) | Cover
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Thüringer Sagenbuch - Band 1 (Gesamtausgabe von 1858 in zwei Bänden) [paperback]

von: Ludwig Bechstein


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ISBN-13: 9783936030075, ISBN-10: 3936030073

paperback: 160 Seiten

Verlag: Rockstuhl

Erscheinungsjahr: 2008-10-01

Größe: 22,8 cm x 16,6 cm x 1,3 cm

Gewicht: 290 g

Kurzbeschreibung:

Broschur, 160 Seiten, Wortgetreue Transkription des Originaltextes. 4. unveränd. Reprintaufl. 1858/2014

Wortgetreue Transkription des Originaltextes

Inhalt:

1. Frau Holle in Eisfeld

2. Riesen um Eisfeld

3. Von Zwergen und Zinselmännchen

4. Irmen und Irmina

5. Der Mönch auf dem Schloßthurme zu Eisfeld

6. Der wandelnde Mönch zu Coburg

7. Coburgs Name und Wappen

8. Allerlei Zauber

9. Das Nönnelein

10. Der Pöpelsträger im Bausenberg

11. Die Stadt im Lautergrunde

12. Träumersdorf

13. Der Stelzener Heilbrunnen

14. Helidenburg

15. Weitersroder Schätze

16. Das Kirchhofkreuz

17. Geisterkämpfe

18. Schäfer- und Hasengespenst

19. Der Mönch in Ketten, und die nächtliche Wehklage

20. Mehl-Eiche

21. Kapelle Ehrenberg

22. Seelweckchen

23. Wassergeist Hackelmärz

24. Veßra und Trostatt

25. Der Mönchsstein

26. Die Jungfrau mit dem Zopf

27. Die Cameels-Kammer und der Cameelsbrunnen

28. Die verschwundene Burg

29. Teufelsstein

30. Seher und Gesichte

31. Der eingefallene Berg und das Dörfles

32. Die Gipsgrube

33. Die Trompeters-Eiche

34. Themars Kriegsschrecken

35. Hennebergische Neckelust

36. Osterburg und Nadelöhr

37. Das unsichtbare Dorf

38. Zigeuner im Lande Henneberg

39. Die weiße Jungfrau mit dem Schwerte in der Brust

40. Vom Grimmenthal

41. Sagenhaftes von Rohr

42. Frau Holle und der treue Eckart

43. Das wilde Heer im Werrathale

44. Wichtlein im mittlern Werrathale

45. Das Mädchen von Schwarza

46. Das Vögelein

47. Das verwünschte Dorf

48. Das ewige Licht in der Lorenze

49. Der grünende Pfahl

50. Vom Berge Dolmar

51. Metzels

52. Wasungens Alter und Sonstiges

53. Die ungetreue Brücke

54. Breitunger Kloster-Sagen

55. Winkender Feuermann

56. Der Glittstein

57. Der begrabene Däumling

58. Die Sibylle

59. Seejungfrauen

60. Rothe Sechse

61. Sagen vom Schlosse Krainberg

62. Abt giebt Namen

63. Wie zu Berka die Werra ausblieb

64. Die drei Auflagen

65. Das Lindigsfrauchen in Gerstungen

66. Vom Bilstein

67. Farrnsamen

68. Storchengericht

69. Der Sprung vom Hellerstein

70. Wichtlein im untern Werrathale

71. Der Wichtlein Ueberfahrt

72. Der Elbel

73. Vom Hörseelenberge

74. Frau Hulda

75. Das wüthende Heer und der treue Eckhart

76. Königin Reinschwig

77. Die Mär vom Danhäuser

78. Das Lied von dem Danheüser

79. Das Hörseelbergsloch

80. Musikanten im Hörseelenberge

81. Die Hirtenknaben

82. Die Wichtlein im Keller

83. Waldmann von Sättelstätt

84. Der Hirte von Mechterstätt

85. Graf Ludwig mit dem Barte

86. Wie die Wartburg erbaut ward

87. Der eiserne Landgraf

88. Des eisernen Landgrafen Seele

89. Sankt Georgs Panier

90. Der Singerkrieg auf Wartburg

91. Klinsors Zauber und Prophezeihung

92. Die kleine Braut aus Ungarn

93. Die Jugend Elisabeths von Ungarn

94. Elisabeths Vermählung

95. Landgraf Ludwigs Tugend

96. Die Wunder Elisabeths

97. Vom Kreuzzuge Landgraf Ludwigs V.

98. Elisabeths Prüfungen

99. Elisabeths Wiedererhöhung

100. Von Elisabeths Tod und Heiligsprechung

101. Vergeltungen

102. Sophia's Handschuh

103. Bürgertreue

104. Der Wangenbiß

105. Von Friedrich mit der gebissenen Wange

106. Der Taufritt

107. Das Spiel von den zehn Jungfrauen

108. Die Seele in der Helle

109. Die verfluchte Jungfer

110. Mönch und Nonne

111. Hilten, der Mönch

112. Junker Jörg

113. Erscheinungen in und um Eisenach

114. Spukende Thiere

115. Von der Ruhl

116. Das Alp

117. Hüthchen unter Wackelstein

118. Geisterspuk in und bei der Ruhl

119. Spukende Mönche und weiße Jungfrauen

120. Die Prinzessin im Wittgenstein

121. Der Rabenbrunnen

122. Das Löthtöpfchen

123. Der große Wartberg und seine Schätze

124. Der Schlangenkoch

125. Wo der Hund begraben liegt

126. Vom Gerberstein

127. Luthersfuß, Luthersborn und Luthersbuche

128. Der Wallfahrtgarten

129. Bonifacius

130. Burgsagen um Altenstein

131. Die Hunde von Wenkheim

132. Bergschätzesagen um Altenstein, Steinbach und Liebenstein

133. Von Freischützen und Zigeunern

134. Hexen-Steinbach

135. Sagen vom alten Schlosse Liebenstein

136. Die Teufelsmahten

137. Die Geister des Flußberges

138. Hausgeister in Brotterode

139. Erscheinende Jungfrauen

140. „Karle quintes Funn“

141. Vom Inselberge und Rennsteige

142. Die weiße Frau auf Tenneberg

143. Fische auf Bäumen

144. Die Gründung vom Kloster Reinhardsbrunn

145. Landgrafenbegräbniß zu Reinhardsbrunn

146. Der fromme Bäcker

147. Der steinerne Kopf

148. Vom Sankt Johanniskirchlein

149. Asolverod

150. Der heilige Bonifacius in Ohrdruf

Aus dem Vorwort:

Die Liebe für Thüringens mannichfaltige und reizende Sagen hat mir, wie ich auch bereits im Vorworte zu meinem Deutschen Sagenbuche ausgesprochen, schon den Jugendmorgen rosig verklärt und ich bin ihr treu geblieben bis in die reiferen Jahre, nicht minder blieb ich den Grundsätzen treu, die mich schon früher beim Sagensammeln leiteten. Aber fortgesetztes Sagenstudium leitete noch einer höheren Richtung zu, als jener der bloßen Sammellust und Sammelfreude. Mehr und mehr wurde mir die Wahrheit von Jacob Grimm’s Ausspruch klar, daß fast aller Sage Grund Mythus ist. Nur die aufmerksame Berücksichtigung der deutsch-mythischen Elemente in den vaterländischen Volkssagen erhebt Sagensammlungen unbeschadet ihrer sonstigen ethischen, pädagogischen und belletristischen Verdienstlichkeit in die Reihen wissenschaftlicher Werke, durch sie werden Sagenkunde und Sagenforschung zu einer Wissenschaft, welche durch die Fülle ihrer poetischen Stoffe ungemein anziehend und lohnend, nicht minder aber auch von kulturgeschichtlicher Wichtigkeit und Bedeutung ist. Dieser Richtung folgt in der Gegenwart die rege Strebsamkeit vieler Forscher, von denen manche völlig vom gelehrten Standpunkte ausgehen, andere auch das volksthümliche Element in diesen Sagen, die ja doch alle nur aus dem Volke unmittelbar erblüht sind, die man dem Volke dankt, berücksichtigen. Letzteres ist der von mir eingeschlagene Weg, indem ich in einfacher und natürlicher Weise, ohne Zuthat und Ausschmückung der eigenen Phantasie, welche die neuere Sagenforschung mit Recht verwirft, die Sagen, die ich sammelte, erzähle, - von denen auch die Mehrzahl der Ausschmückung gar nicht bedarf, indem viele Sagen schon an und für sich durch und durch poetisch sind - dann aber überall wichtige Fingerzeige für das Vorhandensein mythischer Stoffe und Element jeder Gegend Thüringens für die zukünftige Forschung gebe.

In dem vorliegenden Buche habe ich bezüglich der Anordnung und Aufeinanderfolge ganz in der Weise, wie in meinem Deutschen Sagenbuche, den Gang einer großen Wanderung durch alle Gebiete Thüringens mit Hinzuziehung des Voigtlandes genommen, und zwar theils nach den Flußthälern, theils nach Höhenzügen. Dieses System erweist sich praktisch-zweckmäßig, und für die vergleichende Sagenforschung sind überall im Buche Hinweisungen auf Oertlichkeiten gegeben, wo verwandte Sagen sich wiederholen, wo ebenfalls verwandte oder ganz dieselben mythischen Wesen wieder begegnen.

Die Wanderung beginnt mit den Werraquellen, schweift etwas südlich in das coburger Gebiet ab, das zwar schon fränkischer Boden ist, aber doch einem thüringischen Regentenhause angehörig, und folgt dann dem Laufe der Werra mit Berücksichtigung aller diesem Flusse nachbarlich gelegenen Sagenpunkte bis Mihla. Dort wendet die Wanderung, um abermals, wie gleich beim Beginn geschehen, in den mythischen Sagenkreis der Frau Holle einzutreten, dann ritterromantisches Gebiet mit Eisenach und der Wartburg zu beschreiten. An diesem Punkte beginnt der Höhenzug des Thüringerwaldes, dessen Berge und Thäler nun besucht werden, wobei wiederum keine wichtige Sagenörtlichkeit unberücksichtigt gelassen wird, und dieser sagenforschende Pilgerzug setzt sich über das ganze Gebirge bis zum Frankenwalde fort, hinter dem nun voigtländisches Gebiet beschritten wird, um die äußerst sagenreichen Flußthäler der Elster und der Saale zu durchwandern. Naturgemäß sind kleine Abschweife nach links in die Waldgegenden von Lobenstein und Leutenberg, nach rechts in den alten Orlagau geboten, wie nicht minder von Saalfeld aus das Thal der Schwarza zu berücksichtigen war. Dann erstreckt sich die Wanderung im Saalgebiete bis nach Halle. Manches in diesem Gebiete habe ich, um ein gebotenes räumliches Maaß dieses Buches nicht zu überschreiten, hinweggelassen, z. B. mehrere derjenigen Sagen von Saalfeld, die bereits in der Grimm’schen Sammlung gedruckt stehen, anderes, was ich nur bereits romantisirt auffand, und dem ich nicht recht traute, auch historisches von sehr zweifelhafter Färbung, z. B. den Blankenburger Eselskrieg, das Rudolstädter Frühmahl, und ähnliches. Auch bei den, an sich zwar nicht unanziehenden, aber doch anderswo häufig sich wiederholenden Sagen vom Singerberge glaubte ich, es werde Andeutung der Ausführung vorzuziehen sein. Dasselbe gilt, da sich von Halle aus die Wanderung vom Saalgebiete weg in das Helme-Gebiet und in die güldene Aue erstrecken mußte, von den allbekannten Kiffhäusersagen, wie denn der Raum durchaus verbot, die sämmtlichen Sagen des ganzen Vorderharzes zu berücksichtigen. Indem aber dann die Unstrut an ihrem Ursprung aufgesucht wird, findet sich wieder mancher wichtige Ort berührt, zumal im Verfolge ihres Laufes abwärts bis zu dem Knotenpunkte, wo Saale, Ilm und Unstrut unfern von einander sich vereinigen. Dem poesiereichen Flusse Ilm wird entgegengezogen, die Wanderung lenkt sich noch einmal bis zu den Höhen des Thüringerwaldes hinan, bis zu der hohen Wasserscheide zwischen Ilm und Gera, welchem durch Valerius Neubeck’s Muse gefeierten Flusse nun nachgegangen wird, wo dann nach einem Abstecher in das romantische Sagengebiet der drei Gleichen die Wanderung im Schooße der uralten Metropolis des Thüringerlandes, Erfurt, ihr Endziel findet.

Diese thüringische Sagensammlung ist mit dem, was früher auf gleichem Gebiete von mir veröffentlichet wurde, nicht zu verwechseln und nicht zu vergleichen. Sie ist eine durchweg neue und selbstständige Arbeit; sie ist nicht nur ein thüringisches Sagenbuch, sondern auch ein thüringisches Mythenbuch; manche Nummer enthält nicht blos eine einzige Sage, sondern mehrere, die zusammen gehören. Auf Wiederholungen thüringischer Sagen im übrigen Deutschland habe ich auf mein Deutsches Sagenbuch durch die Chiffer D. S. B. mit der Nummerzahl in Randnoten bisweilen hingewiesen und aufmerksam gemacht.

Ist auch Thüringen nur ein Theil des großen deutschen Vaterlandes, so liegt es doch in Deutschlands Herzen und hat guten deutschen Kern. Seine Mythen- und Sagenwelt ist poesievoll und bedeutsam, klangvoll und unsterblich. Möge sie stets gute Gönner und treue Pfleger finden!