Value Reporting in IFRS-Abschlüssen und Lageberichten (Schriften zum Revisionswesen) | Cover
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Value Reporting in IFRS-Abschlüssen und Lageberichten (Schriften zum Revisionswesen) [hardcover]

von: Rainer Heumann


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ISBN-13: 9783802111761, ISBN-10: 3802111761

hardcover:

Verlag: IDW Verlag GmbH

Erscheinungsjahr: 2005-05-13

Größe: 20,8 cm x 15,2 cm x 2,6 cm

Gewicht: 571 g

Kurzbeschreibung:

Die Globalisierung und Professionalisierung der Finanzmärkte mit weltweit operierenden institutionellen Kapitalanlegern, die als vorrangigen Bestandteil des unternehmerischen Zielsystems die Orientierung am Shareholder Value verlangen, hat weltweit zum Einzug der wertorientierten Unternehmensführung in die Führungsetagen insbesondere börsennotierter Unternehmen geführt. Eine am Shareholder Value orientierte Unternehmenspolitik ist darüber hinaus vom deutschen Gesetzgeber akzeptiert und durch die Integration entsprechender Instrumente in das deutsche Aktienrecht unterstützt worden.

Ziel des Shareholder Value-Ansatzes ist es, im Interesse der residualanspruchsberechtigten Anteilseigner den Marktwert des Eigenkapitals unter Berücksichtigung der Gewinnausschüttungen langfristig zu maximieren. Eine wichtige Stufe zur erfolgreichen Implementierung und Realisierung der am Shareholder Value orientierten Unternehmensführung ist die Umsetzung einer an der Steigerung des Unternehmenswerts ausgerichteten variablen Entlohnung der Führungskräfte. Über dieses Bindeglied kann die Führungsebene zur Einhaltung einer an der langfristigen Wertsteigerung orientierten Unternehmensstrategie motiviert und somit das Interesse der Führungskräfte mit dem von den Kapitalanlegern verfolgten Ziel der Unternehmenswertsteigerung harmonisiert werden.

Eine Form von am Unternehmenswert orientierten Entlohnungssystemen sind Aktienoptionspläne. Bei börsennotierten Aktiengesellschaften wird dabei üblicherweise der variable Vergütungsbestandteil durch die Gewährung von Kaufoptionen (call options) auf Aktien des Unternehmens an die zukünftige Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt. Unter der Annahme informationseffizienter Finanzmärkte spiegelt der Aktienkurs den Marktpreis des Eigenkapitals wider, der im Interesse der Anteilseigner zu maximieren ist.

Die bilanzielle Behandlung von Aktienoptionsplänen ist nach wie vor sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Gegenstand sehr kontrovers geführter Diskussionen. Kern der Kontroverse ist die grundsätzliche Frage, ob die Gewährung von Aktienoptionen als variable Vergütungskomponente zu einer Belastung der Vermögenssphäre des Unternehmens führt und somit der Ausweis von Personalaufwand begründet wird, oder ob es ausschließlich zu einer Vermögensverschiebung von den (Alt-)Aktionären hin zu den begünstigten Führungskräften kommt und daher ein Aufwandsausweis auf Unternehmensebene nicht gerechtfertigt ist. Wird die Erfolgswirksamkeit bejaht, schließt sich die Frage nach der Bewertung des zu erfassenden Personalaufwands an. Zur Bestimmung der Höhe des Personalaufwands wird sowohl der innere Wert als auch der Gesamtwert der eingeräumten Optionen diskutiert. Daneben stellt sich die Frage hinsichtlich des Zeitpunktes dieser Bewertung. Dabei reichen die vielfältigen Vorschläge vom Zeitpunkt der Gewährung (grant date) bis hin zum Zeitpunkt der Ausübung (exercise date) der Aktienoptionen. Schließlich ist die Frage nach der zeitlichen Verteilung des Personalaufwandes zu beantworten, wobei sowohl vertreten wird, von einer Verteilung abzusehen, als auch den Personalaufwand ratierlich über den Leistungszeitraum (service period) zu verteilen.

Die vor allem in den Jahren 2001 und 2002 durch intransparente und teils sogar bewusst falsche Bilanzierung namhafter US-Unternehmen ausgelöste Vertrauenskrise an den Finanzmärkten in die Berichterstattung hat die kontroverse Diskussion über die Bilanzierung von Aktienoptionsplänen in den USA wieder neu entfacht. Auch wenn es bei den Bilanzskandalen nicht direkt um Aktienoptionspläne ging, so galten sie dennoch als ein Grund dafür, dass die oberste Führungsebene dieser Unternehmen eine das zutreffende Bild der Unternehmenslage verschleiernde Bilanzpolitik betrieben hat, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Dadurch war es diesen Führungskräften nämlich möglich, die ihnen gewährten Aktienoptionen auf hohem Niveau auszuüben und somit das persönliche Einkommen erheblich zu steigern.

Sowohl das FASB als auch das IASB haben sich der Thematik der bilanziellen Abbildung von Aktienoptionsplänen aufgrund der aktuellen Diskussion angenommen. Während zunächst das IASB, welches bislang den Ansatz und die Bewertung von Aktienoptionsplänen nicht verbindlich geregelt hat, im November 2002 einen Entwurf eines International Financial Reporting Standard (IFRS): Exposure Draft Share-based Payment (ED 2) vorlegte, hat das FASB im März 2003 das Projekt Equity-Based Compensation in seine Agenda aufgenommen. Beide Standardgeber kooperieren hinsichtlich dieses Themas mit dem Ziel, weitestgehend übereinstimmende Standards zu verabschieden. Einvernehmen besteht bereits dahingehend, dass echte Aktienoptionspläne - entsprechend der fair value based method des SFAS 123 grundsätzlich aufwandswirksam in Höhe des im Gewährungszeitpunkt zu ermittelnden Optionsgesamtwertes zu erfassen sind. Ein Wahlrecht zur Anwendung einer der intrinsic value based method (APB 25) vergleichbaren Bewertungsmethode und somit die Möglichkeit, einen Aufwandsausweis zu vermeiden, ist nicht vorgesehen.

Vor dem Hintergrund der national als auch international kontrovers geführten Diskussion, ob und inwieweit Aktienoptionspläne zum Ausweis von Personalaufwand führen, ist es Ziel der vorliegenden Arbeit, ein Konzept zur grundsätzlich einheitlichen bilanziellen Erfassung von Aktienoptionsplänen zu entwickeln, das dem deutschen System aus Bilanzrecht, Gesellschaftsrecht und Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) sowie der Informationsfunktion des Jahresabschlusses gerecht wird. Da sich die grundlegenden Fragen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene in gleicher Weise ergeben und die Ansichten des DSR weitgehend den derzeitigen Auffassungen sowohl des FASB als auch des IASB entsprechen, stellen die grundlegenden Ergebnisse dieser Arbeit zugleich eine Stellungnahme zu den aktuellen Bilanzierungsvorschlägen des FASB und des IASB dar. Die Untersuchung konzentriert sich auf die in der Diskussion im Vordergrund stehenden drei oben genannten Grundformen von Aktienoptionsplänen, wobei der handelsrechtliche Jahresabschluss eines börsennotierten Unternehmens im Vordergrund steht. Nicht behandelt werden Bilanzierungsfragen aufgrund von Sicherungsgeschäften des Unternehmens, zu denen auch der Erwerb eigener Aktien vor dem Ausübungszeitpunkt der den Führungskräften gewährten Aktienoptionen zählt, da hier entsprechend E-DRS 11.5 die grundlegenden Fragen zur Bilanzierung von Aktienoptionsplänen an sich behandelt werden sollen. Des Weiteren ist die Frage eines in diesem Zusammenhang möglicherweise notwendigen Ansatzes latenter Steuern nicht Gegenstand dieser Arbeit. Es handelt sich hierbei um ein Folgeproblem.

Im zweiten Abschnitt der vorliegenden Arbeit werden die Grundlagen für die Untersuchung der bilanziellen Abbildung von Aktienoptionsplänen gelegt. Dabei werden zunächst die Motive der Unternehmen für die Begebung von Aktienoptionsplänen herausgearbeitet. Daran schließt sich die Darstellung der Gestaltungsmöglichkeiten von Aktienoptionsplänen an, wobei zuerst die Grundkonzeption und anschließend die primären Gestaltungsparameter sowie die Unterschiede hinsichtlich der Finanzierung der drei zu untersuchenden Grundformen erörtert werden. Des Weiteren wird die finanzwirtschaftliche Bewertung von Aktienoptionen analysiert und die Anwendbarkeit der beiden vorherrschenden Optionsbewertungsmodelle - Black/Scholes-Modell und Binomialmodell - kritisch betrachtet. Aus diesen Grundlagen sind Rückschlüsse für eine sachgerechte bilanzielle Behandlung zu ziehen.

Der dritte Abschnitt befasst sich mit der bilanziellen Abbildung von Aktienoptionsplänen im handelsrechtlichen Jahresabschluss. Zunächst werden die in der Diskussion im Vordergrund stehenden Grundformen virtuelle Aktienoptionspläne (Stock Appreciation Rights - SARs), Aktienoptionspläne auf Basis des Rückkaufs eigener Aktien und Aktienoptionspläne auf Basis eines bedingten Kapitals nach § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG - untersucht. Anschließend ist zu prüfen, ob ein Konzept zur grundsätzlich einheitlichen bilanziellen Abbildung von Aktienoptionsplänen entwickelt werden kann.

Die drei Grundformen werden jeweils in wirtschaftlicher, gesellschaftsrechtlicher und bilanzieller Hinsicht diskutiert. Ausgehend von der Erläuterung der Grundstruktur des jeweiligen Aktienoptionsplanes und den damit verbundenen betriebswirtschaftlichen Vor- und Nachteilen wird zunächst die Wirkung auf das Vermögen der begünstigten Führungskraft, das des Unternehmens und das der (Alt-) Aktionäre einer wirtschaftlichen Analyse unterzogen. Ziel ist es zu prüfen, ob und inwieweit durch die Aktienoptionspläne das Vermögen des Unternehmens belastet wird und damit der Ausweis von Personalaufwand begründet werden kann. Daran schließt sich eine Erörterung der jeweils zu berücksichtigenden gesellschaftsrechtlichen Regelungen an.

Darauf aufbauend ist zu untersuchen, ob und gegebenenfalls in welcher Weise der jeweilige Aktienoptionsplan bilanziell zu dokumentieren ist. Dabei sind die kontroversen Auffassungen zu analysieren und ein Konzept zur sachgerechten bilanziellen Erfassung des jeweiligen Aktienoptionsplanes unter Beachtung der Jahresabschlusszwecke und unter Einhaltung der GoB zu entwickeln. Entsprechend der zeitlichen Struktur eines Aktienoptionsplanes wird zunächst untersucht, ob im Zeitpunkt der Gewährung der Aktienoptionen bereits eine bilanzielle Abbildung dieser Vergütungsvereinbarung geboten ist oder ob es sich zu Beginn um ein schwebendes Geschäft handelt. Anschließend wird die Bilanzierung innerhalb der Sperrfrist betrachtet. Ausgehend von der Frage, ob ein Ansatz geboten und damit die Aufwandswirksamkeit des jeweiligen Aktienoptionsplanes gegeben ist, wird im Anschluss das Problem der Bewertung behandelt. Zur Bestimmung der Aufwandshöhe ist sowohl der innere Wert als auch der Gesamtwert zu diskutieren. Eng damit verbunden ist die Untersuchung des Zeitpunktes dieser Bewertung. Daran schließen sich die Fragen an, ob und gegebenenfalls auf welche Weise eine zeitliche Verteilung des Aufwandes zu erfolgen hat und wie dieser in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen ist. Bei der Betrachtung des sich an die Sperrfrist anschließenden Ausübungszeitraums geht es insbesondere um die ordnungsgemäße Bilanzierung der Bedienung der gewährten Aktienoptionen. Entsprechend den Bedingungen des jeweiligen Aktienoptionsplanes werden entweder Ausgleichszahlungen geleistet, eigene Aktien geliefert oder neue Aktien ausgegeben. Des Weiteren ist der Einfluss des jeweiligen Aktienoptionsplanes auf den pagatorischen Totalerfolg des Unternehmens zu bestimmen. Insbesondere hinsichtlich des Aufwandsausweises bei Aktienoptionsplänen auf Basis eines bedingten Kapitals ist zu klären, ob es hierfür eine pagatorische Grundlage gibt und somit den handelsrechtlichen GoB entsprochen wird.

Abschließend erfolgt eine Analyse der gesetzlich vorgeschriebenen Anhangangaben zu den Aktienoptionsplänen. Neben einer Darstellung der bestehenden Pflichtangaben erfolgt auch eine Untersuchung, ob und inwieweit zusätzliche Anhangangaben erforderlich sind, um den Anforderungen an die Informationsfunktion des Jahresabschlusses gerecht zu werden, die sich aufgrund der Globalisierung der Finanzmärkte ergeben.

Abschließend diskutiert der Autor, inwieweit sich die in der vorliegenden Arbeit vertretene Auffassung zur Bilanzierung der jeweiligen Grundform von Aktienoptionsplänen zu einem Konzept zusammenführen lässt, das entsprechend dem Ziel der Arbeit - eine grundsätzlich einheitliche bilanzielle Erfassung von Aktienoptionsplänen ermöglicht. Den Abschluss der Arbeit bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse mit einem Ausblick auf die zukünftige Bilanzierung von Aktienoptionsplänen auf nationaler und internationaler Ebene.